2013

Tatort schwäbische Eisenbahn

Innovatives Chorkonzert mit Posaunen und Trompeten

Auf der Suche nach einer neuen Form des Chorkonzerts kam der Kammerchor Tritonus aus Ochsenhausen auf eine innovative Idee: ein szenisches Chorspektakel mit Pauken und Trompeten. Was darunter zu verstehen ist, das erlebten die Zuschauer am Samstagabend in der Schranne in Giengen bei „Mister Sandman“, so der Titel des Programms, bei dem bereits das gemütliche Doppelbett auf der Bühne auf ein Chorkonzert der etwas anderen Art schließen ließ. In selbigem Bett machte es sich sogleich ein Pärchen gemütlich, während es zusammen mit dem Chor „Guten Abend, gut‘ Nacht“ darbot. Ein Konzert, das mit einem Schlaflied und dem Zubettgehen anfängt, kann das gutgehen? Es konnte, denn Regisseur Wolfgang Beuschel hatte mit Tritonus unter der Leitung von Klaus Brecht zusammen mit den Akademischen Schlossbläsern  ein paar musikalische Bettgeschichten zusammengestellt, die zu begeistern wussten.

Da war der kleine eheliche Disput nach dem Motto „Für eine Nacht voller Seligkeit“, glänzend gesungen und erfrischend dargestellt mit dem Pärchen im Bett und dem Rest des Chores gewissermaßen durch ein Fenster in die Schlafstube blickend, wo beispielsweise die Hummel den Schlaf raubte, untermalt mit Rimski-Korsakows „Hummelflug“. Da war der Krimi, ohne den die Mimi nie ins Bett geht, eingeleitet durch die Melodien „Tatort“ und „James Bond“, die die Posaunen und Trompeten schmissig in den Saal warfen. Da war das Sandmännchen in allen drei musikalischen Themen, der – beinahe schon vergessenen – Instrumentalweise, dem „Kommt ein Wölkchen angeflogen“ und natürlich „Sandmann, lieber Sandmann“. Und auch dies wurde nicht nacheinander präsentiert, sondern es entwickelte sich ein herrlicher Wettstreit zwischen Chor und Bläsern, in dem sich auch die „Blues Brothers“ und ein paar Rapper tummeln durften. Und da war die „schwäbische Eisenbahn“, die mit ihrem Rattern auch den Schlaf rauben und darüber hinaus für einige Alpträume sorgen kann. Gerade hier gelang die szenische Darstellung besonders gut, und das, obwohl, wie Chorleiter Klaus Brecht verriet, dieser Part zum ersten Mal vor Publikum gezeigt wurde. Denn „Mister Sandman“ ist kein feststehendes Programm, sondern hat sich in den vier Jahren stets weiterentwickelt, so Brecht. „Immer wieder kommen uns neue Ideen, wir bauen ein, wir bauen um, und das macht uns allen großen Spaß“. Dem Publikum auch: Beifall gab es jede Menge in der Schranne.

Freilich besteht bei einem solchen Angebot die Gefahr, dass es  zunächst unter Schauspielgesichtspunkten betrachtet wird. Dies wird der Sache aber nicht gerecht, denn es ist und bleibt eine Darbietung des Chorgesangs. Und der steht bei Tritonus völlig außer Frage: Gesanglich agieren dessen Sänger auf höchstem Niveau, und die vielen frischen Ideen, die in diesem Projekt stecken, machten es nicht nur hörens-, sondern auch sehenswert. So wusste Tritonus denn auch den für Bettgeschichten nicht gerade naheliegenden „kleinen grünen Kaktus“ unterzubringen, indem sie ihn in Mozarts „kleine Nachtmusik“ münden ließen, und das war dann schon richtig hoher Anspruch, wie Chor und Bläser sich in zwei verschiedenen Liedern vereinigten. Und als mit Rossinis Ouvertüre zu „Wilhelm Tell“ gewissermaßen der Wecker klingelte, war die Nacht voller Chorglückseligkeit vorüber, die der Liederkranz Giengen als Veranstalter bereitet hatte. Der Auftakt zu den Feierlichkeiten zum 175-jährigen Bestehen des Liederkranz Giengen ist damit bestens gelungen.

 

– Quelle: Heidenheimer Zeitung, Marita Kasischke, 4. Februar 2013 –